Hilfe fuer Tororo/Uganda e.V.

Weihnachten 2016

Liebe Freunde und Förderer,

sehr geehrte Damen und Herren,

Dezember 2016

 

Wie mittlerweile jedes Jahr sende ich meine besten Grüße zu Weihnachten und dem Neuen Jahr aus Uganda. Ich sitze hier in der Sonne und genieße die Wärme!

Die ersten Tage der Eingewöhnung sind vorbei und so kann ich ein wenig von meinem Leben hier und unseren Projekten berichten.

Nach meiner Ankunft traf ich die Schulleitung, um einen Bericht über den Ablauf dieses Schuljahres unserer „Masimiliano Ochwo Omiel Memorial Secondary School“ zu bekommen. Im Vordergrund stand neben den immer wieder bestehenden Herausforderungen wie z.B. dem Problem der Bezahlung der Lehrergehälter und der Schulspeisung die Qualifikation der Lehrer, was zunehmend ein Anliegen des ugandischen Erziehungsministeriums ist. Es werden regelmäßig Inspektoren in die Schulen des Landes zur Kontrolle geschickt. Zwischenzeitlich wird erwartet, dass Gymnasiallehrer ein Studium absolvieren. Die meisten unserer 18 Lehrer entsprechen den Anforderungen.

In diesem Zusammenhang bin ich sehr froh zu sagen, dass einer unserer jungen Leute, die durch den Verein „Hilfe für Tororo/Uganda e.V.“ seit der Grundschulzeit gefördert wurden, das Studium der Erziehungswissenschaften an der staatlichen Universität Kyambogo in Kampala abgeschlossen hat. Wafula, 28 Jahre alt, nahm in der letzten Woche dort an der offiziellen Abschlussfeier teil. Bei dieser Gelegenheit werden die Abschlusszeugnisse übergeben. Diese jährlich stattfindenden Abschlussfeiern sind immer ein Großereignis. Wie ich höre, wurden für 2016 6.000 Absolventen der Universität verabschiedet, davon 500 im Department Erziehung. Entsprechend der britischen Tradition sind Alle in einen schwarzen Talar mit Kappe gekleidet. Jede Universität hat ihre besonderen Merkmale.

Auch wenn es mittlerweile viele Oberschulen im Land gibt, so bedeutet es nicht immer, dass Lehrer gleich eine Anstellung finden. Unser Absolvent Wafula hat das Glück, dass er nun an unserer „Masimiliano Ochwo Omiel Memorial Secondary School“ als Lehrer fest angestellt werden kann. Wir sind natürlich daran interessiert, dass sich die jungen Leute, die in ihrer Ausbildung oder Studium von Paten oder durch den Verein unterstützt werden, in unseren Projekten entsprechend ihrer Möglichkeiten einbringen und somit etwas zurückgeben.

Vor einer Woche begannen offiziell die Schulferien. Viele Schulen schickten die Schülerinnen und Schüler jedoch schon früher nach Hause, weil das Geld für die tägliche Schulspeisung fehlte. Die Klimaverschiebungen, von denen ich ja schon öfter berichtete, machten sich wieder bei der Getreideernte bemerkbar. Da viel zu wenig Regen fiel, vertrocknete ein großer Teil des Getreides. Das trifft natürlich die Kleinbauern besonders hart, da sie keine Möglichkeiten der Bewässerung haben. So ist der Hunger für viele vorprogrammiert. Das bedeutet auch, dass die Eltern oft genug das Schulgeld nicht bezahlen können. Das trifft leider immer wieder vor allem Mädchen, auch wenn in unserer Schule die Mädchen erfreulicherweise noch in der Überzahl sind.

Allerdings ist ebenfalls zu sagen, dass mit Jungen und Mädchen, die durch den Verein unterstützt werden, nicht immer alles glatt läuft. Das liegt oft genug am familiären Hintergrund. Besonders beschäftigt mich momentan das Schicksal eines der Mädchen, das mir sehr am Herzen liegt. Susan verließ vor ca.3 Monaten im Alter von 14 Jahren die 6. Klasse der Grundschule, ein Jahr vor dem Ende der Grundschulzeit. Sie war eine gute Schülerin und wurde gesponsert. Nun lebt sie mit einem jungen Mann zusammen. Trotz vieler Bemühungen war sie nicht zur Rückkehr zur Schule zu bewegen. Jetzt ist sie schwanger. Die Eltern waren auch nicht hilfreich, im Gegenteil, sie förderten noch diese sog. Kinderehe. Tradition und Anreiz durch Brautgaben verleiten Eltern leider immer wieder, wie auch im Fall von Susan. Sie besuchten selbst keine Schule und können nicht den Wert von Bildung, vor allem für ein Mädchen erkennen. Es ist bedrückend zu sehen, wieviel junge Mädchen mit Kleinkindern mir in den Dörfern begegnen. Die dazugehörigen Väter kümmern sich meistens nicht um Mutter und Kind. Sie haben ja selbst nichts, keine Schulausbildung, keine Arbeit, kein Geld.

Ich weiß, dass wir mit unserer Oberschule nur mit einem kleinen Tropfen dazu beitragen können, zumindest einigen Jungen und Mädchen zu vermitteln, dass sie mit einem mittleren Bildungsabschluss die Möglichkeit haben, danach einen Beruf zu erlernen, um z. B. mit einem kleinen Handwerksbetrieb eine Familie zu ernähren. Das Handwerk ist in Uganda noch immer eine gute Chance dazu. Natürlich braucht das Land auch Hochschulabsolventen, die sich in ihrem bzw. für ihr Land engagieren. Deshalb sehe ich trotz aller nicht zu verleugnenden Probleme genug gute Möglichkeiten für diejenigen, die unser Angebot der Unterstützung bei der Schul- bzw. Hochschulbildung gern und erfolgreich annehmen. So ist jede Hilfe nach wie vor immer wieder willkommen!

Abschließend bedanke ich mich wieder sehr herzlich auch im Namen unserer Partner vor Ort, insbesondere Fr. Robert Omiel für jede Unterstützung bei unserem Engagement. Derzeit steht der Bau eines Schlafhauses für Jungen im Vordergrund unserer Aktivitäten. Für Mädchen haben wir Räume des ursprünglichen Schulgebäudes in ein Internat umgewandelt. Darüber berichtete ich bereits. Für Jungen fehlen Schlafplätze, die nun am Entstehen sind. Und natürlich nutzen wir die Zeit, um die Kinder und jungen Leute, die mich umgeben und die während der Ferien hier zu Hause sind, in ihrer Erziehung beratend zur Seite zu stehen.

Herzliche Grüße aus Uganda und nochmals alles Gute für das Jahr 2017.

Dr. Christiane Maleika und Fr. Robert Omiel